Verwirrspiel um Kanal(Hausanschluss)überprüfungen

 

Tatsache ist, dass das Wasserhaushaltsgesetz allen Grundstückseigentümern vorschreibt, bis Ende 2015 ihre Rohrleitungen zu durchleuchten und gegebenenfalls zu reparieren. Wer in einem Wasserschutzgebiet lebt, also zum Beispiel Teile von Elmshorn und Pinneberg, Uetersen, die Gemeinden Holm, Hetlingen und Haseldorf, der muss schneller handeln.

Eigentlich ist die Frist für diese Bürger bereits Ende vorigen Jahres abgelaufen. Da sich aber in Deutschland mit Ausnahme von einigen großen Städten niemand drum gekümmert hat, wird im stillen Einvernehmen zwischen den Verantwortlichen in Stadt und Land auf mögliche Geldbußen verzichtet.

Ende 2009 muss in den Wasserschutzgebieten alles in Ordnung sein, betont Dieter Grett, Referatsleiter im Kieler Umweltministerium. Auch dieses Ziel sei kaum zu schaffen, meint Eckhart Dencker, Obermeister der Innung für Sanitär-Heizung-Klimatechnik des Kreises Pinneberg, wenn nur die Betriebe tätig werden dürften, die über den Güteschutz Kanalbau zertifiziert seien – zurzeit zwei Betriebe im Kreis Pinneberg.

Dencker weist in einer Pressemitteilung seiner Innung darauf hin, dass seine Kollegen zum Teil über andere Organisationen geschult seien, die Aufgabe zu erledigen. Die seit 1983 gültige Norm (Din 1860-30), aufgrund der die Dichtheit der Abwasserrohre überprüft wird, sei so etwas wie das Gebetbuch der Meisterbetriebe, die sich um Abwasseranlagen kümmern.

Wenn es weitere Zertifizierungen gibt, die auch die Qualität liefern, ist das kein Problem, weitere Betriebe in die Listen aufzunehmen, sagt Abwasserverbandschef Altenwerth. Je mehr Fachbetriebe antreten können, umso günstiger sei es für die Verbraucher, über Preise zu verhandeln. Altenwerth rät Bürgern, sich in möglichst großen Gruppen zusammenzuschließen oder sogar als Gemeinde aufzutreten, um über Sammel-aufträge die Arbeit preisgünstig zu erledigen. Hingegen warnt Altenwerth wie auch Innungsmeister Dencker dringend vor Haustürgeschäften. Denn wie bei der angeblich günstigen Dachreparatur oder dem Teeren von Auffahrten sind derzeit Drücker-kolonnen unterwegs, die besonders ältere Bürger zu vermeintlichen Schnäppchengeschäften überreden (siehe Infokasten). Währenddessen sind Experten beim Kommunalunternehmen AZV dabei, weitere Kanal- und Rohrtechniker zu schulen. Ende März läuft der nächste Lehrgang für 20 künftige Dichtheitsprüfer, die lernen, mit der Kamera im Kanal umzugehen und mit Inlinern mögliche Schäden zu beheben. Das sich abzeichnende Geschäft ist lukrativ. In Deutschland schätzt der Fachverband für den Kanalbau die Summe für die Sanierungs-maßnahmen an den privaten Leitungen auf mehr als zehn Milliarden Euro. Dazu kommen noch die Arbeiten für das öffentliche Kanalnetz unter den Straßen – dort gelten die gleichen Fristen: 2008 sollte in Wasserschutzgebieten alles in Ordnung gebracht sein, 2015 in allen anderen Zonen.

Apropos Fristen: Für alle Gewerbebetriebe ist die Frist schon vor vier Jahren abgelaufen.

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